Ortsverein
Chronik
Im Herbst 1876 gründeten einige Arbeiter ein Wahlkomitee für die im Jahre 1877 stattfindende Reichstagswahl. Dreizehn Jahre nach der Gründung des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" in Leipzig unter Ferdinand Lassalle. Ihr Wahlspruch lautete in Anlehnung an die französische Revolution: "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit." Die SPD ist damit der drittälteste Verein nach dem Volkschor und der Sportgemeinschaft (1868) in Bruchköbel. Diese erste Versammlung erregte natürlich die Obrigkeit vor Ort und der Bürgermeister verhängte ein Versammlungsverbot. Zwei Jahre später 1878 verhängte der damalige Reichskanzler Bismarck ein generelles Verbot der Sozialdemokratischen Partei für das gesamte Reich. Das sogenannte Sozialisten Gesetz.
Die Partei ging nach der Aufhebung des Verbotes 1890 gestärkt daraus hervor und wurde stärkste Fraktion im Reichstag. Vor Ort gründete Sie sich 1893 erneut. Bei den Kommunalwahlen im März 1898 errang ein Sozialdemokrat erstmals ein Mandat. Es war der Landwirt und Diamantenschleifer Heinrich Köhler VI.. Nur das preußische Dreiklassenwahlrecht verhinderte einen weiteren Einzug von Kandidaten. Trotzdem gelang es 1910 bei einer Nachwahl einen weiteren Kandidaten durchzubringen.
Nach dem ersten Weltkrieg und der Abschaffung der Dreiklasseneinteilung bekamen auch die Frauen das Wahlrecht. Bei den Gemeindewahlen im März 1919, es waren die ersten freien und gleichen Wahlen, errang die SPD mit 7 von 12 Sitzen die absolute Mehrheit. Am 1. Januar 1924 trat mit Jean Baumann der erste Sozialdemokratische Bürgermeister sein Amt in Bruchköbel an, das er bis 1933 ausübte.
Durch die Machtübernahme der Nazis wurde die SPD erneut verboten. Nach der katastrophalen Niederlage im Weltkrieg fanden im Februar 1946 die ersten Kommunalwahlen statt. Mit 7 von 12 Sitzen errang die SPD erneut die absolute Mehrheit. Fritz Horst wurde zum Bürgermeister gewählt, der das Amt schon vorher kommissarisch inne hatte. Zu der Bürgermeisterwahl im Juni 1948 trat die SPD mit zwei Kandidaten an, bei der Fritz Horst erneut gewählt wurde. Es kam zur Spaltung innerhalb der Partei, bei der Fritz Horst aus der Partei ausgeschlossen wurde. Nach seiner Wiederaufnahme im Jahre 1959, und der Wahl im Oktober 1960 erhielt die SPD 60,2 % der Stimmen und die zweidrittel Mehrheit der Sitze in der Gemeindevertretung (10 von 15) Bei dieser Wahl zog auch als erste Frau Susanne Greune in die Vertretung ein.
In dem nun beginnenden Zeitabschnitt wurde der Grundstein für die heutige Stadt Bruchköbel gelegt. Durch die Ausweisung von Gemeindeeigenem Land im Haag und von der Domäne im Kirle zu Bauland entstand eine rege Bautätigkeit, ins besondere durch die Baugenossenschaft. Nebenerwerbssiedlungen für tausende von Flüchtlingen entstanden. Eine große soziale Tat, die sich aber negativ für die Partei erwies. Sie bereitete der CDU das Feld.
Die Einwohnerzahl verdoppelte sich von 1961 bis 1970 von 4370 auf 8707 Bürger. Die Infrastruktur wurde ausgebaut. Nur um einige Beispiele zu nennen: Die Schule Süd wurde erweitert und erhielt dabei die erste Sporthalle, der erste Bauabschnitt der Schule Nord wurde abgeschlossen, die Kläranlage im Kirle gebaut, der Campingplatz Bärensee errichtet und nicht zuletzt das Bürgerhaus.
Fritz Horst ging im Sommer 1970 in den wohlverdienten Ruhestand. Ab 1. Juli 1970 übernahm Walter Schreiber die Geschicke der Gemeinde. Seine Epoche war geprägt von zwei historischen Ereignissen, wie sie in der langen Geschichte der Gemeinde noch nicht vorkam. Die Ortskernsanierung und die Gebietsreform. Den Antrag für die Ortskernsanierung stellt die SPD Fraktion und dem wurde schon im Januar 1970 mit der Aufnahme in das Finanzierungsprogramm des Landes Hessen stattgegeben. Unter Walter Schreiber wurde mit der Planung begonnen. Der Speerplan mit Generalverkehrsplan, Sozialplan, Bauleitplänen und Bestandsaufnahme wurde erstellt. In den Fusionsgemeinden wurden Mehrzweckhallen und Sportplätze gebaut. Die Infrastruktur wurde weiter verbessert und durch den Bau von Kindergärten, Altenwohnheim und Tagesstätten, das Neue Rathaus, der Anschluss an die Kläranlage der Stadt Hanau, die eigene Kläranlage wurde inzwischen zu klein, hergestellt und die Freizeitanlage "Dicke Eiche" errichtet.
In der Amtszeit von Walter Schreiber wurde für die damalige Zeit die enorme Summe von DM 45.000.000 investiert und dies bei niedriger pro Kopf Verschuldung. Bei der Wahl im Oktober 1974 verlor die SPD die absolute Mehrheit und Walter Schreiber wurde zum 31.Dezember 1976 abgewählt. 1975 beantragte Walter Schreiber noch die Stadtrechte, die am 07.Mai 1976 verliehen wurden.
Die im März 1977 folgenden Kommunalwahlen brachten der SPD noch einmal die absolute Mehrheit mit einer Stimme in der Stadtverordnetenversammlung. Es war nicht leicht, sich gegen den von der CDU beherrschten Magistrat zu behaupten. Trotz aller Widerstände wurde der Bau des Geschäftszentrums in seiner jetzigen Form durchgesetzt. Die Sozialstation eingerichtet und das Rudolf - Harbig - Stadion gebaut. Seit der Niederlage bei den Kommunalwahlen im März 1981 befindet sich die SPD in der Opposition.