Notwendigkeit einer sachlichen Debatte im Sinne des Schulstandorts Bruchköbel

Die jüngst wieder aufgewärmte Forderung der Bruchköbeler CDU nach einem neuen Gymnasium am Schulcampus neben dem Rudolf-Harbig-Stadion in Bruchköbel hat bei den Sozialdemokraten für einige Verwunderung gesorgt. Zwischenzeitlich sprang die CDU Schöneck auf den pünktlich zum Start des Kommunalwahlkampfs wieder anrollenden Zug auf und erklärte dabei den eignen Standort zum Fahrtziel. Auch die Bruchköbeler FDP stellte inzwischen fest, dass die Debatte nicht neu ist und beansprucht die Initiative zum Vorstoß laut Aussage von Bürgermeisterin Sylvia Braun derweil für sich.

„Den nun wieder losgetretenen Überbietungswettbewerb finden wir bedauerlich, weil er schlichtweg keine lösungsorientierte Perspektive mit sich bringt. Um die beste Lösung für Bruchköbel sowie für den gesamten Westkreis zu finden, bedarf es einer analytisch ordentlich ausgearbeiteten Sachgrundlage und keiner hastig drauflos-postulierten politischen Patentrezepte im Wahlkampfeifer“, stellte der Bruchköbeler SPD-Vorsitzende Patrick Woschek fest.

Die Frage nach der künftigen Versorgung des Westkreises mit gymnasialen Bildungsangeboten ist durch mittelfristig wieder zur Neuverhandlung stehende Vereinbarungen der Bildungsträger Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau bereits vor einiger Zeit aufgekommen. Es steht im Raum, Hanau könnte in Zukunft möglicherweise mehr der eigenen gymnasialen Kapazitäten für die Abdeckung einer voraussichtlich steigenden Nachfrage im Stadtgebiet beanspruchen. Ob und vor allem inwiefern dies dann tatsächlich eine mögliche Kooperationsverlängerung von Kreis und Stadt Hanau beeinflussen könnte, ist bislang nicht verlässlich gesichert. Was jedoch feststeht ist, dass man bisher beiderseits auf eine in vielerlei Hinsicht sinnvolle Zusammenarbeit setzt.

Die Bruchköbeler SPD spricht sich ausdrücklich für eine nachhaltige Stärkung des Schulstandorts Bruchköbel aus. Dieser verfügt mit der Heinrich-Böll-Schule und dem Lichtenberg-Oberstufengymnasium (LOG) bereits über gute Bildungsangebote, die durch die weitere Gesamtentwicklung unter keinen Umständen beeinträchtigt werden dürfen. Eine Lösungsfindung kann es nur gemeinsam mit den bereits ansässigen Schulen geben und keinesfalls an diesen vorbei, denn hierbei geht es letztendlich auch um eine sinnvolle Abwägung zwischen Schulstandorten und Schulformen. „Wenn Bürgermeisterin Sylvia Braun betont, dass es um die weitere Stärkung unseres ‚tollen Schulstandorts‘ gehen müsse, sind wir uns definitiv einig. Umso irritierender ist für uns jedoch, dass ausgerechnet ihre Partei in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung der FDP-Kreistagsfraktion diese Einschätzung nicht zu teilen scheint“, so Monika Pauly, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bruchköbeler Sozialdemokraten. Die FDP-Fraktion spricht darin von „Fehlplanungen“ aus dem letzten Jahrhundert, die es nun zu ‚ändern‘ gelte. „Eine derartige Abwertung des hiesigen Schulstandorts und der Schulform Integrierte Gesamtschule weist die SPD ausdrücklich und entschieden zurück“, betonte Pauly weiter.

Ein durch den nun anlaufenden Wahlkampf motiviertes Aufreiben der Debatte mit Paralleldiskussionen um Standorte hält die SPD nicht für zielführend. Ziel muss es vielmehr sein, dass die Schülerinnen und Schüler im Westkreis auch künftig auf eine optimale Versorgung mit passenden Schulangeboten zählen können. Das ist ein gemeinsames Thema, das Bruchköbel ebenso wie die umliegenden Kommunen betrifft. Deshalb kann auch nur ein gemeinsamer Diskurs sinnvoll zur Lösungsfindung beitragen, betonte die Bruchköbeler Kreistagsabgeordnete Veronika Viehmann. „Eine gute Lösung für uns in Bruchköbel kann nur in der bestmöglichen Lösung für den gesamten Westkreis liegen. Beide Aspekte schließen sich nicht nur keineswegs aus, sie bedingen einander viel eher. Ein gegeneinander Ausspielen der Standpunkte bei diesem gemeinsamen Anliegen wäre jedenfalls fahrlässig und verantwortungslos“, unterstrich SPD-Vorsitzender Patrick Woschek.

Vor diesem Hintergrund ist das Thema auf Kreisebene auch längst in Bearbeitung. „Das sollte für die Bruchköbeler CDU-Kreistagsmitglieder eigentlich auch keine Neuigkeit sein“, fügte Veronika Viehmann hinzu. Bedenklich ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass das aktuelle Entwicklungsplanwerk für die Schulen des Kreises, aus der Feder des christdemokratischen Schuldezernenten Winfried Ottmann, bezüglich der gymnasialen Zukunftsplanung im Westkreis keinerlei konkrete Vorschläge macht. „Warum konkrete Standorterwägungen, wie sie nun durch die Bruchköbeler CDU in den Raum geworfen wurden, dort keine Berücksichtigung finden, muss zumindest hinterfragt werden – auch und gerade in Wahlkampfzeiten“, so Viehmann weiter. Eine fehlende Gesamtanalyse der Sachlage im Westkreis und der dadurch bedingte Mangel an konkreten Lösungsvorschlägen ist schließlich erst kürzlich Grund für die absehbare Rückverweisung des Schulentwicklungsplans in den Bildungsausschuss des Kreises gewesen.

„Wir sind ausdrücklich und selbstverständlich bereit für einen offenen Dialog, zusammen mit den hiesigen Schulen und unter Einbeziehung einer belastbaren Gesamtbetrachtung der Sachlage – ohne unfundierte Fix-und-fertig-Rezepte. Nur so kann sichergestellt werden, dass für die Menschen hier in Bruchköbel letztendlich das bestmögliche Ergebnis erzielt wird“, betonte der Vorsitzende Patrick Woschek. Deshalb findet es die SPD unverantwortlich, wenn dieses komplexe Thema nun für Wahlkampfzwecke verwischt wird. „Dafür ist uns eine nachhaltige Schulentwicklung einfach zu wichtig. Eine vernünftige, sachlich fundierte und vor allem verantwortungsvolle Lösungsfindung mit Weitblick ist für uns ganz klar die einzig richtige Herangehensweise“, fügte Stadtverordnete Monika Pauly abschließend hinzu.